Epilepsie Studien

Epilepsie Medikamente

Antiepileptika (Antikonvulsiva)

Im Rahmen der Epilepsiebehandlung nimmt die medikamentöse Therapie die mit Abstand wichtigste Rolle ein und ist daher auch meist die Therapie der ersten Wahl. Ziel ist die Übererregbarkeit der Nervenzellen herabzusetzen, indem man die Aktivität der Zellen direkt hemmt oder körpereigene Hemmmechanismen verstärkt. Dies setzt eine regelmäßige Einnahme und ärztliche Kontrolle voraus.
Man beginnt die Therapie mit nur einem Präparat (Monotherapie), wobei  die optimale Dosis individuell verschieden ist und erst gefunden werden muss. Die Therapie kann nach 2 oder 3 Jahren Anfallsfreiheit versuchshalber ausgesetzt werden. Mit Ausnahme des Status epilepticus, der umgehendes medikamentöses Einschreiten erfordert, ist  die Therapie auf lange Sicht ausgerichtet. Es wird also weniger der konkrete aktuelle Anfall behandelt, sondern versucht, die generelle Anfallsbereitschaft des Epileptikers zu senken. Für die Behandlung der Epilepsie steht eine Vielzahl von Medikamenten zu Verfügung. Diese Darstellung beschränkt sich auf die wichtigsten und gängigsten Präparate.

  • Carbamazepin
    Dieses Antiepileptikum wird vor allem bei Epilepsien mit fokalen Anfällen eingesetzt. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Es kann zu Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Doppeltsehen und Gangunsicherheit kommen.
  • Oxcarbazepin
    Eine weiterentwickelte Version von Carbamazepin. Dementsprechend ähnlich in gewollter und unerwünschter Wirkung, wird aber im Allgemeinen besser vertragen als Carbamazepin und daher bevorzugt eingesetzt.
  • Phenytoin
    Zur Therapie von fokalen und sekundär generalisierten Anfällen. Darüber hinaus wird es auch im Status epilepticus eingesetzt. Als Nebenwirkungen sind u.a. Hautausschläge, Gangunsicherheit und Müdigkeit bekannt.
  • Lamotrigin
    Hat ein breites Wirksamkeitsspektrum. Zur Zusatz- und Monotherapie bei fokalen und sekundär generalisierten Epilepsien und bei generalisierten Epilepsien mit tonisch-klonischen, myoklonischen, atonischen und tonischen Anfällen sowie Absencen. Lamotrigin ist meist sehr gut verträglich, als unerwünschte Wirkungen sind bekannt: Haut und Schleimhautreaktionen, Schwindel, Übelkeit u.a.
  • Zonisamid
    Seit 2005 in der EU als Zusatzmedikament zur Behandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne Generalisierung zugelassen. Am häufigsten treten psychische Nebenwirkungen auf (Erregbarkeit, Reizbarkeit, Verwirrungszustand, Depression).
  • Clobazam
    Dient  der Zusatzbehandlung von fokalen und generalisierten Epilepsien. Unerwünschte Nebenwirkungen können Müdigkeit, Schwindel und Schläfrigkeit sein.
  • Clonazepam
    Gehört zur Gruppe der Benzodiazepine, die auch zur Beruhigung und als Schlafmittel verordnet werden. Wird auch zur Behandlung des Status epilepticus angewendet. Kann bei langfristiger Einnahme psychische Abhängigkeit zur Folge haben.
  • Phenobarbital
    Eingesetzt bei fokalen und vor allem generalisierten Epilepsien. Auch als Notfallmedikament im Status epilepticus. In mehr als 10% der Fälle klagen die Patienten über unerwünscht starke Beruhigung sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit), Schwindelgefühl, Kopfschmerz und Störung der Koordination von Bewegungsabläufen.
  • Primidon
    Ein Abkömmling von Phenobarbital und damit im Wirkprofil ähnlich.
  • Tiagabin
    Zur Zusatztherapie bei Epilepsien mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen. Nebenwirkungen sind u.a. Schwindelgefühl, Müdigkeit, Schläfrigkeit und Kopfschmerzen.
  • Vigabatrin
    Wird verschrieben bei West-Syndrom (einer schweren Form der Epilepsie im Säuglingsalter) und Epilepsien mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen, die mit anderen Antiepileptika nicht behandelbar sind. Dosisabhängig treten u.a. Müdigkeit bis hin zur Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auf.
  • Gabapentin
    Zur Mono- und Zusatztherapie bei Erwachsenen und Kindern mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen. Zu den häufigeren Beschwerden zählen Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit. Aber normalerweise ist Gabapentin sehr gut verträglich.
  • Valproat
    Hat ein sehr breites Wirkungsspektrum, das generalisierte Epilepsien mit tonisch-klonischen, tonischen, klonischen, myoklonischen Anfällen und/oder generalisierten Absencen, Epilepsien mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen, West-Syndrom, intravenöse Behandlung des Status epilepticus umfasst. Als Nebenwirkungen treten Müdigkeit, Tremor, Haarausfall, Verhaltensauffälligkeiten u.a. auf.
  • Topiramat
    Zur Behandlung von Epilepsien mit fokalen und sekundär generalisierten Anfällen, Epilepsien mit primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und West-Syndrom. Es kann zu Schwindel, Schläfrigkeit, Müdigkeit und anderen Nebenwirkungen kommen. Topiramat ist ein sehr wirksames Antiepileptikum, das vergleichsweise aber auch mehr Nebenwirkungen aufweist. Es ist am besten verträglich, wenn es als alleiniges Medikament (in Monotherapie) und in niedriger Dosierung gegeben wird.
  • Levetiracetam
    Vergleichsweise neues Medikament. Zur Mono- und Zusatztherapie von fokalen sowie primär und sekundär generalisierten Anfällen, bei Kindern liegen vergleichsweise noch nicht sehr viele Erfahrungen vor. Es ist gut wirksam und vergleichsweise gut verträglich. Häufigere Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwächegefühl und Schwindel.

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