Hepatitis Studien

Hepatitis

Die Entzündung der Leber

ls Hepatitis bezeichnet man eine Entzündung der Leber. Ausgelöst durch Infektionen (z.B. Virushepatitis), Vergiftungen, direkte mechanische oder physikalische Schäden (Prellung, Strahlung, Blutung), Autoimmunerkrankungen aber auch in Begleitung mit andereren Erkrankungen, kommt es zu einer Schädigung der Leberzellen (Hepatozyten).

Die Leberzellen haben im Körper außerordentlich wichtige Stoffwechselfunktionen. Sie produzieren einen Großteil der Bluteiweiße, scheiden Giftstoffe aus, bilden Verdauungssekrete und stellen in ihrem Verband ein bedeutendes Speicherorgan dar. Diese Leistungen machen sie zu den vielfältigsten Zellen des menschlichen Körpers und für sein Überleben essentiell.

Wir beschränken uns hier auf die Erläuterung der klassischen Virushepatitiden A, B, C, D und E, die sich wiederum abhängig von Verlauf und Symptomatik in akute und chronische Formen unterteilen lassen.

  • Hepatitis A (HAV)

Die Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus verläuft niemals chronisch und zeichnet sich in der Regel durch ihren milden Verlauf aus. Es kommt meist zu einer spontanen Ausheilung nach 4-8 Wochen.

Die Erkrankung wird durch die Aufnahme von verunreinigtem Wasser oder Lebensmitteln (z.B. Muscheln) übertragen und bricht meist 2-8 Wochen nach Infektion mit typischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber, Durchfall und Abgeschlagenheit aus. Zur Gelbsucht (Ikterus) kommt es nur in den seltensten Fällen.

Es existiert eine prophylaktische (vorbeugende) Impfung gegen diese Form der Hepatitis, die für Reisen in Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko (v.a. Süd-Ost-Asien, Afrika, Süd-Amerika) empfohlen wird.

  • Hepatitis B (HBV)

Die Hepatitis B Infektion ist die weltweit häufigste Virusinfektion und verläuft in 90% der Fälle akut. Die Übertragung der Krankheit erfolgt parenteral und sexuell. Das heißt, der Virusträger überträgt seine Erkrankung über den Kontakt seiner Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel, Samenflüssigkeit, Galle, Muttermilch) mit der verletzten Haut bzw. der Schleimhaut des Empfängers.

Das weltweit verbreitete Virus kommt gehäuft in Süd-Ost-Asien, Afrika und im Nahen Osten vor.

Der Erreger ist eng mit der Gruppe der Retroviren verwandt und überträgt seine genetische Information auf das Erbgut der Leberzellen, sodass eine Elimination der Viren nach Infektion der Zelle nicht möglich ist. Die hohe Variabilität des Virus erlaubt ihm das körpereigene Immunsystem und ggf. therapeutische Maßnahmen zu unterlaufen.

Akut

Die akute Form verläuft zu zweidrittel asymptomatisch das heißt, nur ein Drittel zeigt nach 1-6 Monaten die typischen Erkrankungszeichen, wie Gelbfärbung der Haut und der Augen (Sklerenikterus), dunkler Urin, Gliederschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Oft klagen die Patienten über Abgeschlagenheit und labordiagnostisch zeigen sich erhöhte Leberwerte. In der Regel kommt es nach 2-6 Wochen zu einer spontanen Ausheilung. Nur selten werden schwerere Verläufe mit starker Blutungsneigung und krankhaften Veränderungen des Gehirns beobachtet.

Chronisch

Vom chronischen Verlauf spricht man wenn die Symptome länger als 6 Monate primär oder im Anschluss an eine akute Hepatitis B bestehen. Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen (Leberzirrhose, Leberzellkrebs) die wiederum in 25% der Fälle zum Tod führen. Die Gefahr einer Chronifizierung ist bei Neugeborenen am höchsten und sinkt mit zunehmendem Alter.

  • Hepatitis (HCV)

Die Hepatitis C Infektion ist zunehmend ein medizinisches und gesundheitspolitisches Problem. Weltweit sind über 200 Mio. Menschen mit dem Hepatitis C Virus (HCV) infiziert, und die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr beträgt nach Schätzungen der WHO 3 - 4 Millionen. Derzeit tragen 8,9 Millionen Menschen in Europa das Hepatitis C Virus in sich. Das Virus ist für 50 - 76 % aller Leberkarzinome in Europa und für zwei Drittel aller Lebertransplantationen verantwortlich. Besondere Patientengruppen wie Hämophile, Drogenabhängige und Menschen, die vor 1992 Bluttransfusionen erhielten, sind besonders von dieser Erkrankung betroffen. Die Hepatitis C wird meist über Blut und damit kontaminierte Gegenstände wie z.B. Injektionsnadeln, beim Tätowieren und beim Piercen übertragen. In seltenen Fällen kommt es zur Infektion des Neugeborenen während der Geburt oder zu einer Übertragung während des ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Kontaminierte Blutkonserven werden heutzutage dank moderner Kontrollsysteme meist frühzeitig erkannt und eliminiert.

Akut

In Europa sind etwa 0,5 - 1% der Bevölkerung Träger eines Hepatitis C-Virus wobei es nur in wenigen Fällen (10 - 20%) zu einem akuten Ausbruch der Krankheit kommt. Meist geht die Krankheit direkt in ihre chronische Form über.

Chronisch

Der Anteil der chronisch Erkrankten beläuft sich auf etwa 70 – 80%. Typischerweise verläuft die Krankheit nach einer Inkubationszeit von 20 – 60 Tagen symptomlos. Die Patienten bemerken die Infektion oft nur als eine Art grippalen Infekt, fühlen sich müde und abgeschlagen. Bleibt die Hepatitis C nach einer chronischen Infektion unbehandelt führt dies im Langzeitverlauf (ca. 20 Jahre) zu schweren Leberschäden wie der Leberzirrhose und zu einem erhöhten Leberkrebs-Risiko.

Nicht selten kommt es bei einer chronischen Infektion zu antikörpervermittelten Begleiterkrankungen wie der Kryoglobinämie und dem Sjögren-Syndrom.

  • Hepatitis D

Die Hepatitis D kommt ausschließlich in Verbindung mit einer bereits bestehenden Hepatitis B Virusinfektion vor, da sich das Virus nur mit Hilfe bestimmter Strukturen aus dem HBV vermehren kann. Etwa 5 % der HBV-Infizierten sind zusätzlich an Hepatitis D erkrankt.

Der Infektionsweg ist derselbe wie bei Hepatitis B, das heißt, die Übertragung erfolgt durch den Kontakt infizierter Körperflüssigkeiten mit Hautläsionen des Empfängers.

Die Krankheit, die hauptsächlich im Mittelmeerraum, Rumänien und auf der arabischen Halbinsel aber auch Afrika und in Teilen Mittel- uns Südamerikas vorkommt, kann ebenfalls einen akuten wie chronischen Verlauf nehmen.

Für die Prognose bedeutend ist allerdings die Art der Infektion in Verbindung mit einer Hepatitis Typ B. Erfolgt die Infektion gleichzeitig mit der B-Infektion (Simultaninfektion) ist dadurch die Leber deutlich weniger belastet als bei einer nachträglichen Infektion mit dem D-Virus bei bereits bestehender Hepatitis B. Diese sogenannte Superinfektion führt in der Regel schneller zu einer Leberzirrhose und auch das Risiko für ein Leberzellkarzinom ist dadurch gesteigert. Die so erfolgte Infektion verläuft im Vergleich zur Hepatitis B häufiger chronisch. Die akute Form der D-Superinfektion ist in der Regel schwerwiegender als die der Hepatitis B. Dadurch verdoppelt sich insgesamt die Mortalität (Sterblichkeit) von Patienten mit Hepatitis D im Vergleich zu Hepatitis B-Patienten.

  • Hepatitis E

Die Hepatitis E verläuft ähnlich wie eine Hepatitis A Infektion ausschließlich akut und ist ebenfalls selbstlimitierend. Obwohl die Krankheit rein klinisch nicht von einer Infektion mit dem A-Typ unterschieden werden kann, ist sie im Verlauf doch häufig schwerer und in 0.5 - 4% der Fälle sogar tödlich.

Die Infektion erfolgt durch die Aufnahme von Wasser das mit Fäkalien verunreinigt ist bzw. den direkten oralen Kontakt mit Fäkalien infizierter Lebewesen. Nach einer Zeit von etwa 30-40 Tagen kommt es zu akuten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber und Ikterus (Gelbfärbung der Haut und der Augen).

Die häufigste Ursache einer Infektion ist der Aufenthalt in einem Hochrisikoland wie Länder Südostasiens, Nordafrikas und Vorderasiens in denen die Krankheit weit verbreitet ist.


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