Hepatitis Therapien
- Therapie der Hepatitis A (HVA)
Für die Hepatitis A gibt es keine spezielle Therapie. Da die Krankheit in der Regel nach 4 - 8 Wochen selbstständig ausheilt ist eine Therapie speziell gegen das Virus nicht notwendig. Was man aber behandeln kann, sind die Begleitsymptome, die im Rahmen einer Infektion auftreten wie etwa Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber. Dazu ist eine Aufnahme in ein Krankenhaus nicht zwingend notwendig, solange nicht mit Komplikationen zu rechnen ist.
Erfolgt also die Behandlung zu Hause oder in der Familie ist darauf zu achten, dass das Umfeld des Patienten in einem sehr sauberen Zustand ist. Wichtig ist auch, dass sich der Patient während und auch noch Monate über seine Erkrankung hinaus möglichst fettarm und kohlehydratreich ernährt.
Trotz der häuslichen Therapiemöglichkeit sind regelmäßige Laborkontrollen zur Überprüfung der Leberwerte durch den Hausarzt empfohlen.
Generell sollte bei Reisen in Risikogebiete eine aktive Impfung gegen das Virus in Erwägung gezogen werden. Dabei wird der Impfstoff direkt in den Muskel appliziert und bietet Schutz für einen Zeitraum von 10 Jahren. Es ist eine Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B möglich.
Nicht geimpfte Personen können bei Infektionsverdacht mit der Gabe von Antikörpern (Immunglobulinen) behandelt werden. Diese sogenannte Expositionsprophylaxe entspricht einer passiven Immunisierung und kann zur Linderung der Symptome beitragen.
- Therapie der Hepatitis B (HBV)
Die akute Form der Hepatitis B wird ähnlich wie die Hepatitis A nur symptomatisch therapiert, da es auch hier in 90 - 95% der Fälle zu einer selbstständigen Ausheilung kommt.
Für die Therapie der chronischen Hepatitis B stehen grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze zur Verfügung. Zum einen kann mit Interferonen die körpereigene Abwehr des Virus unterstützt werden, zum anderen kann man mit sogenannten Nukleosid- und Nukleotid- Analoga in die Vermehrung der Viren eingreifen. Bei der Therapie der chronischen Hepatitis B kommt es allerdings darauf an, wie stark sich das Virus im Körper vermehrt. Eine Kombination der beiden Therapien wird derzeit nicht empfohlen.
Vermehrt sich also das Virus kaum oder gar nicht, besteht keine zwingende Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie und man würde den Verlauf weiter regelmäßig kontrollieren. Das Risiko als Träger eines solchen Virus eine Leberzirrhose zu bekommen ist deutlich geringer.
Anders ist es, wenn sich das Virus nachweißlich stark im menschlichen Körper vermehrt und es dadurch zu einer stetig fortschreitenden Lebererkrankung kommt. In diesem Fall nimmt auch das Risiko, im weiteren Verlauf der Hepatitis eine Leberzirrhose oder gar ein Leberzellkarzinom zu bekommen, stetig zu. Deshalb sollte, soweit es dagegen keine medizinischen Einwände gibt, unbedingt eine medikamentöse Therapie mit Interferon alfa oder den genannten Virusvermehrungshemmern erfolgen. Ziel der Therapie ist es prinzipiell die Virusvermehrung soweit zu reduzieren, dass die Einnahme von Medikamenten im weiteren Verlauf nicht mehr notwendig ist. Damit sinkt dann auch wieder das Risiko für Zirrhose und Leberzellkarzinom.
Von einer vollständigen Beseitigung des Virus durch die Therapie darf nicht oder nur in sehr seltenen Fällen ausgegangen werden. Zusätzlich muss man sagen, dass es kein einheitliches Schema für die Therapie gibt und ein geeigneter Therapieplan für jeden Patienten individuell erarbeitet werden muss.
Bei Versagen der oben genannten Behandlungsansätze, stellt die Transplantation der Leber eine letzte Therapieoption dar. Die langen Wartezeiten haben in der letzen Zeit den Trend zur sogenannten Leberlebendspende oder Split-Leber Transplantation bestärkt, bei der man sich die hohe Regenerationsfähigkeit der gesunden Spenderleber zu Nutze macht.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die HBV-Impfung in den sogenannten Impfkalender aufgenommen und empfiehlt die Immunisierung für alle Säuglinge und Kinder. Allerdings ist auch Personen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind (Angestellte im Gesundheitswesen, Personen mit häufig wechselndem Sexallkontakt, Reisende in Risikogebieten etc.) eine Impfung dringend zu empfehlen.
- Therapie der Hepatitis C (HCV)
Die moderne Standarttherapie der Hepatitis C umfasst eine kombinierte Anwendung von pegyliertem Interferon a und dem Nukleosidanaloga Ribavirin.
Abhängig vom jeweiligen Genotyp des Virus verändert sich die Chance auf vollständige Heilung. Dabei kann zum Beispiel der deutlich schwerer zu behandelnde Genotyp 1 mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% erfolgreich therapiert werden, bei Genotyp 2 und 3 hingegen liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 80%. Daraus resultieren für die einzelnen Genotypen verschiedene Therapiezeiträume. Genotyp 1 und 4 werden standardmäßig über 48 Wochen, die Genotypen 2 und 3 üblicherweise 24 Wochen therapiert.
Neben dem Genotyp existieren noch viele andere Faktoren, wie zum Beispiel Patientenalter (idealer Weise unter 40), Körpergewicht, bestehende Lebererkrankungen (Fettleber, Leberfibrose), Diabetes, Immunschwächen durch HIV oder Dialyse, aber auch die Mitarbeit des Patienten , die den Heilungsvorgang positiv oder negativ beeinflussen können. Starken Einfluss auf das Fortschreiten der Krankheit hat auch der Alkoholkonsum, der die Prognose immens verschlechtert.
Allgemein gilt jedoch stets: „Je früher man mit der Therapie beginnt, desto besser sind die Aussichten auf Heilung."
Wie auch bei anderen schweren Lebererkrankungen besteht bei der Hepatitis C mit der Transplantation der Leber eine letzte therapeutische Möglichkeit vor dem vollständigen Versagen der Leber. Eine Impfung gegen HCV existiert jedoch noch nicht.
- Das Prinzip der Therapie-Optimierung /die Response-gesteuerte Therapie
Das Prinzip besagt, je schneller der Patient im Laufe der Therapie virusfrei wird, desto größer sind seine Chancen auf eine erfolgreiche Heilung und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit nach Beendigung der Therapie einen Rückfall zu erleiden.
So liegen zum Beispiel die Heilungschancen für Patienten mit den Genotypen 1 oder 4, bei denen nach der 4. Therapiewoche keine Viren mehr nachweisbar sind, bei 90%.
Auch die Dauer der Therapie kann auf Grund des unterschiedlichen Ansprechens der Patienten individuell verändert werden. Prinzipiell kann man aber sagen, dass eine Verkürzung der Therapiezeit mit einem höheren Rückfallrisiko verbunden ist. Außerdem ist eine Verkürzung der Therapie bislang nicht für alle Genotypen zugelassen.
- Neuartige Medikamente und Therapieansätze
In letzter Zeit versucht man vermehrt Medikamente aus der Therapie der Hepatitis B- und der HIV-Therapie auch in der Therapie der Hepatitis C anzuwenden.
So kommen zum Beispiel neuartige Interferone wie das IFN-gamma oder das PEGAmax zum Einsatz, die eine längere mittlere Verweildauer des Medikaments im Körper oder eine stärkere Interferon abhängige Genstimulation aufweisen.
Aber auch auf der Ebene der Virusvermehrung wird spezifisch mit Polymerase- und Protease-Inhibitoren angegriffen, wie es schon aus der HIV-Therapie bekannt ist.
Mögliche Probleme der Behandlung sind allerdings die Entwicklung von Unempfindlichkeiten gegenüber den neuen Medikamenten und die zusätzlichen Nebenwirkungen
- Therapie der Hepatitis D
Da die Hepatitis D wie schon erwähnt nur als Co-Infektion zusammen mit einer B-Hepatitis auftreten kann und es keine gezielte Therapie der Hepatitis D gibt, erfolgt primär eine Behandlung der Grunderkrankung also der Hepatitis B und parallel dazu eine Behandlung der durch die Hepatitis D auftretenden Symptome wie etwa Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Gliederschmerzen. Zusätzlich zu der Behandlung der auftretenden Beschwerden sollten aber auch regelmäßige Kontrollen, anfangs jedes halbe und später einmal im Jahr durch einen Arzt erfolgen.
Der Einsatz von Interferon alfa in der Therapie der Hepatitis D hat sich in mehreren Studien nicht bewährt und ist daher nicht zu empfehlen. Jedoch ist die Impfung gegen die Virushepatitis B auch gegen die Hepatitis D wirksam.
- Therapie der Hepatitis E
Ähnlich wie bei der Hepatitis B Infektion gibt es auch für eine Infektion mit dem Hepatitis E Erreger momentan keine wirksame medikamentöse Therapie. Auch ein möglicher Impfstoff ist noch in der Probephase und noch nicht öffentlich zugelassen.
Die Therapie der Wahl ist also eine Behandlung der möglichen Symptome. Dazu ist eine Aufnahme in ein Krankenhaus nicht dringend erforderlich, so dass die Behandlung auch zu Hause erfolgen kann.
Zu einer solchen Therapie gehört neben der Schonung des Patienten und Bettruhe auch kein Verzehr fetter Speisen und vor allem Alkoholkarenz, keine Einnahme leberbelastenden Medikamente, aber auch eine strikte Hygiene im Umfeld des Kranken, um eine Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden.
Wozu man aber doch raten kann, um einer Infektion mit dem Virus in einem Risikogebiet aus dem Weg zu gehen ist, ist den Verzehr von rohem Fleisch zu vermeiden, kein rohes oder ungeschältes Obst und Gemüse zu essen und Wasser immer nur aus versiegelten Flaschen zu trinken oder vor dem Benutzen einige Minuten zu kochen.
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