Humanes Immundefizienz-Virus
Was unterscheidet HIV und AIDS?
HIV und AIDS hängen miteinander zusammen: das „Humane Immundefizienz-Virus" HIV kann beim Menschen zum Krankheitsbild AIDS führen. HIV ist ein Krankheitserreger, AIDS ist die typische Krankheitsfolge der Infektion. AIDS ist die Abkürzung für „acquired immunodeficiency syndrome" („erworbenes Immundefektsyndrom") und bedeutet: die Abwehrfähigkeit des Körpers gegen Krankheitserreger ist herabgesetzt. Dadurch ist AIDS eine lebensgefährliche Erkrankung. AIDS-Patienten leiden an dramatischen Formen von Infektionen oder an Tumorleiden, die ein gesundes Immunsystem in der Regel abwehren kann.
Weltweit sind nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO 39,5 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die meisten von ihnen (65%) leben in Afrika. Bislang sind 28 Mio. Menschen weltweit an AIDS verstorben, im Jahre 2007 allein 2,1 Mio.
Warum machen HI-Viren krank?
HI-Viren schädigen den Körper, indem sie in Körperzellen eindringen und diese zur Produktion neuer Viren umprogrammieren. Dies ist das Prinzip aller Virusinfekte. Ein gesundes Immunsystem lässt daraufhin Virus-infizierte Zellen absterben, markiert die freien Viren durch Antikörper und lässt sie durch Fresszellen beseitigen. Dadurch lassen sich akute Virusinfektionen begrenzen. Die Krankheitsbeschwerden entstehen nicht nur direkt aus der Virusinfektion, sondern auch aus der Reaktion des Immunsystems. Die Antikörper schützen nach durchgemachter Virusinfektion den Organismus für viele Jahre vor einer Neuinfektion. Manche Virusarten überleben danach in bestimmten Körperzellen und werden allenfalls wieder aktiv, wenn das Immunsystem im Alter oder durch schwere Erkrankungen geschwächt ist.
Das HIV aber ist anders. Es befällt auch die Immunzellen selbst: vor allem CD4-T-Helferzellen, aber auch Langerhans-Zellen der Haut und Makrophagen. Die CD4-T-Helferzellen haben eine Schlüsselfunktion in der Immunabwehr. Sie aktivieren Entzündungen und Immunreaktionen, indem sie die Antikörperproduktion regulieren, die Fresszellen aktivieren, andere Immunzellen an den Ort des Geschehens rufen und deren Vermehrung im Knochenmark anregen. Sind die CD4-T-Helferzellen HIV-infiziert, so sterben sie ab und das Immunsystem ist an seiner Schlüsselstelle geschädigt. Je weniger CD4-T-Helferzellen vorhanden sind, desto schwerwiegender sind die Folgen. HIV wird entsprechend der Menge an CD4-T-Helferzellen nach der CDC-Klassifikation in drei Kategorien eingeteilt:
Kategorie A Asymptomatische HIV-Infektionen: CD4-Zellen pro Mikroliter Blut >500
Kategorie B HIV-assoziiert aber nicht AIDS-definiert: CD4-Zellen pro Mikroliter Blut 500-200
Kategorie C AIDS-definierende sekundär Erkrankungen: CD4-Zellen pro Mikroliter Blut <200
Wie verläuft die Erkrankung bei HIV-Infizierten?
- Primäre, akute Infektion
- Latenzphase
- AIDS-Stadium.
Dieses Stadium ist von grippeähnlichen Symptomen geprägt, die bis zu vier Wochen anhalten können: Fieber, Abgeschlagenheit, Lymphknotenvergrößerung, Appetitverlust, Nachtschweiß und Kopfschmerzen. Manche Patienten entwickeln wenig oder gar keine Beschwerden. In dieser Phase ist die Viruslast besonders hoch, so dass die Gefahr einer Ansteckung des Sexualpartners sehr hoch ist.
Nach einigen Wochen sinkt die Viruslast wieder, weil Antikörper gegen das HI-Virus gebildet wurden. Das Immunsystem vermindert die Viruslast, die Symptome vermindern sich. Dieses Stadium kann mehrere Jahre andauern, aber es kommt mit der Zeit zu einem Abbau des Immunsystems durch Zerstörung der infizierten CD4-T-Helferzellen. Denn das HI-Virus ist nach wie vor in den infizierten Körperzellen.
Dieses Stadium ist erreicht, wenn der Körper sich nicht mehr gegen Krankheitserreger wehren kann. Ungünstige Prognosefaktoren sind unter anderem eine erhöhte Viruslast zum Zeitpunkt der Diagnose, ein Anstieg der Viruslast, ein Abfall der CD4-T-Helferzellen.
Was ist AIDS?
Der Beginn von AIDS wird in verschiedenen Ländern unterschiedlich definiert: in den USA, unabhängig von den Folgeerkrankungen, beginnt AIDS bei einer HIV-Infektion ab einer CD4-T-Helferzellmenge unter 200 pro Mikroliter Blut. In afrikanischen Ländern, aber auch in Mitteleuropa beginnt AIDS bei HIV-Infizierten mit typischen AIDS-definierten Folgeerkrankungen auch dann, wenn die CD4-T-Helferzellmenge noch über 200 pro Mikroliter liegt.
Zu den AIDS-definierten Erkrankungen gehören:
- das Wasting Syndrom (starker Gewichtsverlust)
- Pilzinfektionen (Candidose, Pneumozystitis Carinii Pneumonie)
- Virusinfektionen (Herpes, Zytomegalie)
- Bakterielle Infektionen (Tuberkulose)
- Parasiten (Toxoplasmose des Gehirns)
- Tumorleiden (Karzinome, Lymphome, z.B. Kaposi-Sarkom)
- neurologische Erkrankungen mit Enzephalopathie (krankhafte Veränderung des Gehirns)
Wie infiziert man sich mit HIV?
HIV wird durch Körperflüssigkeiten einer HIV-infizierten Person übertragen: Blut, Sperma, Scheidensekret und Muttermilch. Diese werden über offene Wunden, Schleimhäute oder direkte Injektion ins Blut des Empfängers aufgenommen. Je höher die Viruslast in diesen Körperflüssigkeiten ist, desto größer das Risiko für den Empfänger, sich zu infizieren. Blut und Samenflüssigkeit Infizierter enthalten besonders viele HI-Viren.
Risiken
Besonders gefährdet sind
- Menschen, die ungeschützten Sexualverkehr mit HIV-Infizierten haben
- ungeborene Kinder und Säuglinge infizierter Mütter
- Drogenabhängige, die mit HIV-haltigem Blut verunreinigte Spritzen benutzen
- sowie medizinisches Personal.
Die statistischen Angaben für Infektionsrisiken schwanken stark. Über Infektionen beim Geschlechtsverkehr werden Zahlen von 1/100 (das bedeutet: von hundert ungeschützten Geschlechtskontakten mit einem HIV-Infizierten führt einer zur Infektion) bis 1/1.000 genannt. Bei Stichverletzungen mit HIV-haltigem Blut beträgt das Risiko 1/330. Hohlraumnadeln (z.B. Spritzen) sind gefährlicher als chirurgische Nadeln. Bei Kontakt der Schleimhaut mit HIV-belasteten Körperflüssigkeiten (etwa Blutspritzer in Mund, Auge) liegt das Risiko bei 1/3.300. Eine Übertragung im Mutterleib von einer HIV-positiven Mutter auf das Neugeborene ohne Therapie liegt bei einer Wahrscheinlichkeit von 15% . Das Risiko der Übertragung steigt, wenn Haut und Schleimhäute der Mund- und Genitalregion durch andere Infektionen, z.B. Geschlechtskrankheiten, vorgeschädigt sind. Dann ist die natürliche Schutzbarriere der Haut und Schleimhaut unterbrochen.
Aufklärung ist wichtig
Nach wie vor sind mit dem Begriff AIDS begründete und unbegründete Ängste sowie die Gefahr der Diskriminierung und Ausgrenzung von HIV-Infizierten verbunden. Dies kann nur durch umfassende sachliche Information verbessert werden. Andererseits ist angesichts der vermeintlich guten Behandlungsmöglichkeiten der HIV-Infektion und der gesellschaftlichen Enttabuisierung von HIV und AIDS aktuell ein erschreckender Trend zur Sorglosigkeit erkennbar: in den Risikogruppen westlicher Länder nimmt die Zahl der Neuinfektionen wieder stark zu. Auch hier gilt: um einer HIV-Infektion vorzubeugen, ist es wichtig, über die richtige Anwendung von Kondomen und die Risiken einzelner sexueller Praktiken aufgeklärt zu sein.
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