Humanes Immundefizienz-Virus - HIV Medikamente
Nukleosidartige Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI)
Wenn das Virus in die Zelle gelangt ist, schreibt es mit der Reversen Transkriptase RT seine Erbinformation in eine DNA um. Diese wird von NRTI gehemmt, indem sie als „falscher Baustein" in die DNA eingebaut werden und zu Kettenabbrüchen in der Virus-DNA führen. Das Umschreiben in DNA wird so gehemmt. Eine typische Nebenwirkung der NRTI ist, neben Befindlichkeitsstörungen, Läsionen und Funktionsstörungen innerer Organe und peripherer Nerven, die Lipodystrophie bzw. Lipoatrophie: Fettstörung bzw. Fettschwund. Dies ist eine Umverlagerung des Unterhautfettgewebes von typischen auf untypische Stellen. Das äußere Erscheinungsbild des Patienten wird dadurch in oftmals seelisch belastender Weise verändert.
Die wichtigsten Wirkstoffe, ihre Handelsnamen und ihre typischen Nebenwirkungen sind:
- Abacavir (Ziagen®; Hypersensitivitätssyndrom)
- Didanosin (Videx®; Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie)
- Emtricitabin (Emtriva®; Kopfschmerz, Anämie)
- Lamivudin (Epivir®; Kopfschmerz)
- Stavudin (Zerit®; Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie)
- Zidovudin (Retrovir®; Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie, Myopathie)
- Lamivudin und Zidovudin (Combivir®; Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie, Myopathie)
- Lamivudin, Zidovudin und Abacavir (Trizivuir®; Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie, Myopathie, Hypersensitivitätssyndrom)
- Lamivudin und Abacavir (Kivexa®)
- Tenofovir und Emtricitabin (Truvada®)
Nicht Nukleosidartige Reverse Transkriptase Hemmer(NNRTI)
Sie hemmen die Reverse Transkriptase, indem sie direkt an diese binden. NNRTI sind künstlich hergestellte Präparate. Sie wirken auch dann, wenn bereits Resistenzen gegen NRTI vorliegen, allerdings werden alle NNRTI wirkungslos, sobald ein HI-Virus gegen ein einzelnes NNRTI resistent ist (Kreuzresistenzen). Die wichtigsten Wirkstoffe, Handelsnamen und ihre Nebenwirkungen sind:
- Delavirdin (Rescriptor®; Ausschlag)
- Efavirenz (Sustiva®, Slocrin®; Ausschlag, Psychosen)
- Nevirapin (Viramune®; Ausschlag, Leberschäden)
Protease Inhibitoren PI
Protease Inhibitoren hemmen das Enzym Protease. Dies führt zu einer Produktion nicht-infektiöser Viruspartikel. Die besten Ergebnisse hat man durch eine Kombination zweier Protease-Inhibitoren, z.B. Ritonavir mit Lopinavir. Die wichtigsten Wirkstoffe, Handelsnamen und ihre Nebenwirkungen sind:
- Fosamprenavir (Telzir®; Durchfall)
- Atazanavir (Reyataz®; Gelbsucht, Durchfall, Kopfschmerzen)
- Indinavir (Crixivan®; Nierensteine, Gelbsucht, trockene Haut und trockene Schleimhäute, gestörtes Nagelwachstum)
- Nelfinavir (Viracept®; Übelkeit, Durchfall)
- Ritonavir (Norvir®; Durchfall, Übelkeit, erhöhte Blutfette)
- Saquinavir (Invirase®; Durchfall, Übelkeit)
- Lopinavir und Ritonavior (Kaletra®; gestörter Fettstoffwechsel, Durchfall, Übelkeit)
Weitere Wirkstoffe: Entry Inhibitoren (sie verhindern das Eindringen des HI-Virus in die Wirtszelle und hemmen somit die Infizierung weiterer Zellen, aber nicht die Bildung neuer Viren) sowie Integrase Inhibitoren (die Integrase dient der Integrierung der Virus-DNA in die menschliche DNA) sind noch in der Entwicklung.
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