Humanes Immundefizienz-Virus - HIV Therapien
Postexpositionelle Prophylaxe PEP
Nach einem ungeschützten Kontakt mit HIV-belasteten Körperflüssigkeiten (Verletzung im medizinischen Bereich, ungeschützter Geschlechtsverkehr) kann eine vorbeugende Behandlung (Postexpositionelle Prophylaxe PEP) nötig sein, auch wenn keine HIV-Infektion nachgewiesen, das Risiko der Infektion jedoch als hoch einzuschätzen ist. Die PEP senkt das Infektionsrisiko um 80%, schließt es jedoch nicht völlig aus. Die Prophylaxe besteht in einer Desinfektion betroffener Hautareale mit PVP-Jodlösungen bzw. ausgiebigem Spülen des Schleimhautareals mit Wasser sowie der kombinierten Verabreichung von antiretroviralen Medikamenten.
Hochaktive Anti-Retrovirale Therapie HAART
Eine HIV-Infektion und AIDS sind nicht heilbar. Aber es ist möglich, die Immunschwäche um viele Jahre hinauszuzögern, indem die Virusvermehrung gebremst wird. Die Standardbehandlung für HIV ist eine Kombinationstherapie antiretroviraler Medikamente: die hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART).
Denn weil das HI-Virus seine Erbsubstanz ständig verändert, wird es immer wieder widerstandsfähig gegen bestimmte Wirkstoffe: das Virus entwickelt eine Resistenz. Durch die hochwirksame Wirkstoffkombination versucht man, das Virus auf verschiedenen Wegen gleichzeitig zu bekämpfen.
Welches Medikament wirkt?
Um zunächst zu erfahren, gegen welche Wirkstoffe die HI-Viren eines bestimmten Patienten resistent sind, kann der behandelnde Arzt phänotypische oder genotypische Tests vornehmen lassen. Phänotypische Tests testen die direkte Reaktion des Virus auf den Wirkstoff - ein einfaches, aber zeitaufwändiges Verfahren. Genotypische Test analysieren die Erbsubstanz der Viren aus dem Patientenblut und gleichen sie mit online-Datenbanken ab, auf denen bekannte Resistenzen und die dazugehörigen HIV-Erbsubstanzabschnitte verzeichnet sind. Medikamente, gegen die das Virus resistent ist, werden nicht eingesetzt. So ist jede HIV-Therapie individuell auf jeden Patienten zugeschnitten.
Aber auch während oder nach einer Therapie kann das Virus neue Resistenzen entwickeln und es kommt zum Therapieversagen oder einem Rückfall. Dann ist eine neu angepasste Therapie nötig. Bei der Therapie ist es sehr wichtig, dass eine große Einnahmetreue eingehalten wird, um eine möglichst große Wirksamkeit zu erreichen.
Wo setzen die Medikamente an?
Das HI-Virus ist ein sogenanntes Retrovirus. Das bedeutet, dass seine Erbinformation in der infizierten Zelle in eine DNA, die Erbsubstanz von Zellen, umgeschrieben wird, bevor die Virusvermehrung durch die umprogrammierte Zelle und die Zellschädigung beginnen. Hierzu bringt das Virus ein eigenes molekulares Werkzeug mit: die Reverse Transkriptase RT. Wenn die Reverse Transkriptase wirkungsvoll gehemmt wird, kann das Virus in der Zelle keinen Schaden mehr anrichten. Deshalb ist ein Reverse Transkriptase-Hemmer der wichtigste Bestandteil jeder hochwirksamen Therapie gegen HIV.
Wann sollte therapiert werden?
Eine Therapie gegen HIV ist dann nötig, wenn der Patient bereits Symptome zeigt (Stadium B und C) oder wenn das HI-Virus sich in Stadium A trotz einer ausreichenden Menge an CD4-T-Helferzellen sehr stark vermehrt (hohe Viruslast). Über den idealen Zeitpunkt des Therapiebeginns im Allgemeinen ist die Wissenschaft uneinig. Denn jeder Patient reagiert anders auf die HIV-Infektion und auch anders auf die Medikamente. In Einzelfällen erzeugen die Nebenwirkungen mehr Leidensdruck als die Infektionsfolgen.
Die Therapie soll ein Fortschreiten der Krankheit verhindern, die Viruslast senken und die CD4-T-Helferzellzahl steigern. Kommt es allerdings während der Therapie zu einem weiteren Abfall der CD4-Zellzahl, zum Wiederanstieg der Viruslast und einer Verschlechterung der Symptome, so ist an eine Intensivierung oder Umstellung zu denken. Eine begonnene Therapie sollte nicht unterbrochen werden, weil die Viren sonst neue Resistenzen entwickeln können. Nur um Unverträglichkeiten oder Nebenwirkungen zu mindern, sind Therapieunterbrechungen statthaft. Das Konzept der „strukturierten Therapiepause" zur Erholung des Immunsystems wird heute nicht mehr empfohlen.
Wie werden die AIDS-Folgen behandelt?
Opportunistische Infektionen werden gezielt bekämpft, indem die natürliche Abwehr unterstützt wird: Antibiotika gegen Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten; Chemo- oder Strahlentherapie und chirurgische Eingriffe gegen Tumorleiden. Es ist sinnvoll, das Immunsystem zu unterstützen, indem man auf gesunde Ernährung achtet, sich ausreichend bewegt und zusätzliche Infektionen vermeidet.
Postleitzahl ein:
Leider führen wir derzeit keine Studien, die Ihrer Auswahl entsprechen. Versuchen Sie es bitte später noch einmal.
