Multiple Sklerose - MS Medikamente
Medikamente spielen die zentrale Rolle in der Behandlung der Multiplen Sklerose. Sowohl im Schub wie auch in der Langzeittherapie sind sie mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Während im Schub fast ausschließlich Kortisonabkömmlinge erfolgreich eingesetzt werden, bedient man sich in der Langzeittherapie sogenannter Immunmodulatoren. Diese senken die Aktivität des Immunsystems und lindern so die Entzündung im ZNS.
- Kortikosteroide (Schubtherapie):
- Interferon beta (Langzeittherapie):
- Glatirameracetat (Langzeittherapie):
- Azathioprin (Langzeittherapie):
- Immunglobuline (Langzeittherapie):
- Mitoxantron (Langzeittherapie):
- Cyclophosphamid (Langzeittherapie):
- Natalizumab (Langzeittherapie):
Künstlich hergestellte Kortikosteroide sind chemisch verwandt mit Kortison, einem körpereigenen Hormon. Sie werden vor allem im akuten Schub verabreicht und verbessern die Funktion der Blut-Hirn-Schranke, was dazu führt, dass weniger Entzündungszellen in das ZNS übertreten können. Außerdem hemmen sie die Produktion von Entzündungs- und Botenstoffen, die die Symptome verursachende Entzündung unterhalten. Dadurch wird die Entzündung im ZNS wie auch andere eventuelle Entzündungsvorgänge im Körper gelindert. Bekannte Nebenwirkungen wie Diabetes, Stammfettsucht, Bluthochdruck u.a. treten in der Regel erst bei einer langfristigen Behandlung auf und sind daher bei der 3 bis 5 tägigen Schubtherapie nicht zu erwarten. (Methylprednisolon)
Gehört zu den Medikamenten der ersten Wahl bei der Langzeittherapie der schubförmigen MS. Interferone sind Eiweiße, die bei Entzündungsreaktionen im Körper ausgeschüttet werden und eine Entzündungsreaktion sowohl unterhalten als auch bremsen können. Welcher Mechanismus genau der erfolgreichen Langzeitbehandlung der MS zugrunde liegt, ist noch nicht abschließend bekannt. Vermutlich wirkt Interferon beta auf Immunzellen und entzündungsfördernde Botenstoffe und senkt somit langfristig die Aktivität des Immunsystems. In zahlreichen Studien wurde die Wirksamkeit von Interefon beta bei Multipler Sklerose belegt, so konnte die langfristige Schubrate um 30% gesenkt werden. Interferone werden in der Regel unter die Haut oder direkt ins Muskelgewebe injiziert. Die bedeutendste Nebenwirkung sind grippale Beschwerden, die sich aber meist gut behandeln lassen. (Betaferon®, Avonex® und Rebif®)
Wird gleichberechtigt zu Interferon beta eingesetzt und hat im Allgemeinen vergleichbare Wirkungen, senkt also die Autoimmunreaktion gegen die Myelinschicht. Glatirameracetat wird in der Regel täglich unter die Haut gespritzt. Der genaue Wirkmechanismus ist derzeit noch nicht bekannt, allerdings konnte in Studien ebenfalls eine Senkung der Schubrate um 30% erzielt werden. Als wichtigste Nebenwirkungen kann es neben Lymphknotenschwellungen zu kurz andauernden, teilweise mehrfach auftretenden Reaktionen mit Beklemmungsgefühl, Angst, Herzrasen und Hautrötungen kommen. (Copaxone®)
Wird eingesetzt für den Fall, dass Interferon beta und Glatirameracetat nicht oder nur unzureichend wirken. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Der Wirkstoff kann in Tablettenform verabreicht werden Erhindert unspezifisch alle sich schnell teilenden Zellen, zu denen auch die Zellen des Immunsystems gehören, am Wachstum und lindert so die Entzündung. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen neben Beschwerden im Magen-Darm-Trakt eine Abnahme der weißen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Dadurch kann eine Anämie (Blutarmut) entstehen. (Imurek®)
Immunglobuline sind Antikörper, die aus großen Mengen Spenderserum stammen. Sie wirken ebenfalls hemmend auf das Immunsystem, sind allerdings sehr teuer. Zudem existieren derzeit noch keine zufriedenstellenden Studienergebnisse bezüglich der langfristigen Wirksamkeit und Dosierung. Aus diesen Gründen werden Immunglobuline eher als Ersatztherapeutikum verwendet. Die Nebenwirkungen der Immunglobuline sind stark von der Dosis abhängig. In niedriger Dosierung werden sie meist gut vertragen,es können jedoch auch schwerere Komplikationen wie z. B. anaphylaktische Reaktionen auftreten. (Gamunex® 10 %, Octagam®)
Wirkt ähnlich wie Azathioprin hemmend auf die Zellteilung und wird daher auch zur Krebstherapie eingesetzt. Es senkt die Schubfrequenz und reduziert das Fortschreiten der Erkrankung sehr effektiv. Aufgrund der ausgeprägten Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Ausbleiben der Regelblutung, negative Auswirkungen auf die Blutbildung) wird es nur in Fällen eingesetzt, in denen die schubförmige MS sehr ausgeprägt ist und nicht auf eine Interferon oder Glatirameracetat Therapie anspricht. Wird auch zur Behandlung der chronisch progredienten MS-Formen eingesetzt. (Ralenova®)
Ist nur sehr ausgeprägten Krankheitsverläufen der schubförmigen MS vorbehalten. Die Wirkung ist ebenfalls eine allgemeine Hemmung des Zellwachstums. Bislang konnte in Studien keine nachhaltige Wirkung bewiesen werden, aber es kommt bei Versagen aller anderen Therapieoptionen zum Einsatz. Die Nebenwirkungen entsprechen weitestgehend denen von Mitoxantron. Wird auch zur Behandlung der chronisch progredienten MS-Formen eingesetzt. (Endoxan®)
Natalizumab gehört zur Gruppe der monoklonalen Antikörper. Antikörper werden jeden Tag im menschlichen Körper produziert. Sie spielen bei Abwehrreaktionen, zum Beispiel bei einer Erkältung, eine wichtige Rolle. Antikörper können bestimmte Oberflächenstrukturen (z.B. von Bakterien) erkennen und somit unschädlich machen. Dabei erkennt jeder Antikörper nur eine ganz bestimmte Struktur. Natalizumab ist ein künstlich hergestellter Antikörper, der die Oberflächenstruktur von T-Zellen erkennt. Diese Zellen sind maßgeblich an den Entzündungsprozessen beteiligt, die im Rahmen der MS auftreten. Natalizumab „fängt" also die T-Zellen ab und macht sie unschädlich, bevor diese den Entzündungsprozess in Gang setzen können. In klinischen Studien konnten positive Ergebnisse und somit die Wirksamkeit von Natalizumab bei entsprechender Indikation belegt werden. Die Behandlung mit Natalizumab erfolgt alle vier Wochen mittels einstündiger Infusion unter Aufsicht eines Facharztes. Monoklonale Antikörper wie Natalizumab sind im Allgemeinen sehr teuer. Sie werden eingesetzt, wenn Interferon beta keine oder nur unzureichende Besserung der Symptome bewirkt hat oder wenn es sich um eine rasch fortschreitende schubförmige MS handelt. Natalizumab wird allgemein gut vertragen, in einigen Fällen kann es jedoch zu Kopfschmerzen, Harnwegsinfektionen, Depressionen u.a. kommen. (Antegren®, Tysabri®)
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